Kerpen, eine geschichtliche und geologische Wanderung

Ausgangspunkt: Der Parkplatz unterhalb von Burg Kerpen,
Burg 1, 54578 Kerpen. In 54578 Kerpen Richtung Niederehe fahren, der Beschilderung Burg Kerpen folgen

Einkehrmöglichkeit: Bistro Burg Kerpen
www.castlekerpen.com

Länge 13,8 km, Gehzeit 4 Stunden, Anstieg 400 Höhenmeter

Charakter der Wanderung:
Geschichte und geologie in einer Wanderung. Burg Kerpen und die alte Wehrkirche zu Berndorf, ein versteinertes Korallenrif am Weinberg und der Vulkan Arensberg. Zu jeder Jahreszeit ist diese Wanderung abwechslend und erlebnisreich.

Die Beschreibung dieser Wanderung ist die verkürzte Ausgabe meiner Endarbeit im Naturführerkurs von Haus Ternell, das Zentrum für Umweltpädagogik der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens.

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Beschreibung der Wanderung mit Erklärungen:
Kerpen-Berndorf-Arensberg-mit-Fotos-und-Geschichte.pdf

Streckenbeschreibung

Von Burg Kerpen zum Weinberg
(km 0,0)
Vom Parkplatz aus wandern wir zunächst zur Burgkapelle, steigen geradeaus die Treppe hinab und wandern weiter auf „Im Kapelleneck“, „Am Hermesturm“ und „Fritz-von-Wille-Straße“. Auf der Adenauerstraße halten wir uns rechts und biegen direkt hinter Haus Nr. 10A in die Wirtschaftsstraße ein. (km 0,7)
In der Rechtskurve nehmen wir den Feldweg links. 100 m weiter an der Gabelung nehmen wir den Zweig schräg geradeaus. Dieser Wegabschnitt ist im Winter oft ziemlich nass, aber wer gut aufpasst kommt mit trockenen Füßen durch. Wir überqueren die stark befahrene Landesstraße Kerpen – Ahütte und wandern zur linken Seite von Landgut Strumpffabrik auf dem mit Kalkschotter befestigtem Weg bergaufwärts. An der nächsten Wegkreuzung taucht die Markierung „Eifelsteig“ auf. Hier gehen wir geradeaus. Ab hier folgen wir eine Zeit lang der Eifelsteig! Bald türmt vor uns die Felswand des Weinbergs auf (km 1,9).
Die Geschichte des Weinbergs:
Der Weinberg ist ein versteinertes Korallenrif. Wenn wir die Umrisse dieser ehemaligen Kalkgrube wieder zusammenrechnen, können wir uns vorstellen wie mächtig dieser Berg einst war. Auf dem Gipfel hat man den Resten einer alten Keltischen Fliehburg gefunden, einen Ringwall von 3 bis 5 Metern hoch mit einem Graben außen herum. In solche Anlagen versammelte sich die Gemeinschaft in Zeiten von Gefahr, mit Habe und Gut (Vieh!). Später, im frühen Mittelalter, wurde in diese Fliehburg einen Wohnturm errichtet. Spätere Aufgrabungen haben ergeben, dass es sich um den Wohnsitz eines Adeligen gehandelt hat, die erste Kerpener Burg! Sehr viel weiter zurück gehend in die Geschichte, etwa 390 Millionen Jahren, war die Landschaft hier eine ganz andere. Statt Land gab es hier Meer. Von Süd-England bis hin zu Polen erstreckte sich hier eine Meeresstraße. Dieses Gebiet lag derzeit südlich des Äquators und war tropisch warm. Das Meer war untief und im klaren Wasser entwickelte sich eine üppige Meeresfauna, eine Gemeinschaft von Korallenrif bildenden Tieren. Über mehreren Millionen Jahren haben diese Meerestiere ihre Kalkskeletten abgelagert und somit mächtige Kalksteinschichten entstehen lassen. Wo wir hier jetzt stehen, schauen wir in das Innere des Korallenriffs, im zentralen Riffkörper. Genau an dieser Stelle ist das Gestein nach seiner Verfestigung chemisch umgewandelt. Eine Dolomitisierung hat stattgefunden, wobei ein Teil des Kalziums durch Magnesium ersetzt ist. Das Gestein ist dadurch härter geworden und auch umkristallisiert, Fossilien findet man daher gerade an dieser Stelle nicht. Wer in dieser Grube Versteinerungen finden will, sollte an den Riffflanken suchen, an der Grubenüberseite.
Vom Weinberg zur Wehrkirche in Berndorf
(km 1,9)
Weiter geht die Wanderung, immer der Eifelsteig-Markierung folgend, Richtung Berndorf. An der ersten Gabelung halten wir uns links und gehen dann geradeaus auf dem Feldweg weiter, der uns nach Berndorf führt. Berndorf hat zwei Kirchen, eine neue Kirche und direkt dahinter eine alte Kirche, die etwas höher auf einer Kuppe liegt. Die letztere ist unser nächstes Ziel. Wir steigen die Treppe zur Kirche hinauf, vorbei an den ersten Kreuzwegstationen und kommen durch das eisernen Tor auf das Kirchhofgelände (km 3,9)
Geschichte der Wehrkirche:
Die alte Wehrkirche ist die ehemalige katholische Pfarrkirche St. Peter. Nicht mit Sicherheit ist fest zu stellen, wann diese Kirche erbaut wurde, aber bestimmt ist das schon weit mehr als 1000 Jahre her. Erste urkundliche Erwähnungen finden wir in 1087 und 1121. Hieraus geht hervor, dass zu dieser Zeit Pfarrkirche und die Hälfte des „Dorfes Berendorp“ zu den Besitzungen des Klosters Steinfeld gehörten. Im 20. Jahrhundert wurde die alte Wehrkirche allmählich baufällig und zu klein. Man entschied sich für Neubau, mehr Zentral im Dorf. 1927 wurde die neue Kirche in gebrauch genommen.

Von Berndorf zum Vulkan Arensberg
(km 3,9)
Weiter geht es, zunächst an den Kreuzwegstationen 4 bis 10 vorbei und dann nach rechts auf die Straße „Zur Wehrkirche“, die bald in einen Feldweg übergeht, dem wir geradeaus und bergabwärts folgen. Nach einer Linkskehre und einer scharfen Rechtskehre endet der Feldweg auf eine Asphaltstraße. Hier halten wir uns links.
Ab hier beachten wir die Markierung des Eifelsteigs nicht mehr!
Nach gut 300 m verlassen wir die Asphaltstraße und nehmen den Feldweg links. An der nächsten Wegkreuzung halten wir uns rechts. Unser Ziel ist jetzt der linken Seite des Arensbergs, gerade da, wo wir  den letzten von hier aus sichtbaren Hochspannungsmast sehen. Leider lässt es sich nicht vermeiden, dass wir 150 m nach links entlang der Landesstraße gehen müssen. Hier kommt oft viel Verkehr auf, also bleiben wir auf der linken Straßenseite und überqueren erst beim Hochspannungsmast.
(km 7,0)
Nach Überquerung der L10 gehen wir geradeaus, also nicht links oder rechts auf dem Kalkeifel-Radweg. 100 m weiter, in der Linkskurve, gehen wir noch mal geradeaus, wir steigen jetzt den Arensberg empor. An der ersten Gabelung noch geradeaus, an der zweiten, bei Rettungspunkt 5706-455 nehmen wir den Weg rechts. Hier, an der Nordseite des Arensbergs, wandern wir in einem schönen Buchenhochwald stetig bergan. Vom Tal bis zum Arensberg haben wir insgesamt 120 Höhenmeter zu überwinden. An der Gabelung halten wir uns rechts auf dem Hauptwaldweg, den wir kurz später nach links wieder verlassen (Markierung 22). Bei der nächsten Gabelung nehmen wir den rechten Zweig und wandern später (km 8,6) auf der Teerstraße geradeaus.
(km 9,1)
Bei der Schranke gehen wir schräg links. Das Schild „Arnulphusberg - Arensberg“ zeigt, dass wir richtig sind. Es gibt aber noch einige Höhenmeter zu überwinden. Am Wegesrand steht eine schöne, kleine Kapelle, die Arnulphuskapelle.
Auf dem Arensberg, auch Arnulphusberg genannt, befand sich eine der ältesten Kirchen im Eifelraum. Vielleicht schon im 7. Jahrhundert erbaut, war sie die erste Pfarrkirche von Walsdorf, Zilsdorf und Stroheich. Im frühen 19. Jahrhundert zerfiel diese Kirche, mit den Steinen und dem Material wurde die neue Kirche in Walsdorf erbaut. Durch die Basaltgewinnung hier (werden wir gleich sehen) sind später alle Spuren dieser Kirche verschwunden. Auch einen Friedhof gab es hier, bis 1870 wurden die Toten hier noch bestattet. Der Friedhof musste der Basaltgewinnung weichen: In 1928 wurden die ausgegrabenen Gebeine auf den neuen Friedhof in Walsdorf überführt. 1988 wurde diese Kapelle erbaut, sie gedenkt an die ehemalige Kirche am Arnulphusberg.
Wir wandern weiter bergan, nach ein paar hundert Metern kommen wir durch einen Stollen im Inneren des Vulkans (km 9,5).
Vulkan Arensberg
Der Arensberg Vulkan gehört zum Vulkanfeld der Hocheifel rund um Adenau, zwar sind wir hier im westlichen Randbereich. Vor 32 Millionen Jahren erfolgte der erste Ausbruch. Anfangs mit sehr viel Wucht, wobei große Mengen Vulkanische Asche und Schlacken abgelagert sind. In der Anfangsphase enthält das Magma noch viele Gase, wodurch der Ausbruch explosionsartig stattfindet. In der Endphase verläuft alles ruhiger. Hier wurde Magma nachgeschoben, das sich unter den abgelagerten Ascheschichten zu Basalt erstarrte. Ein umgekehrt birnenförmiger Basaltpropf ist entstanden. Während der Basalt abkühlte, konnten die durch Schrumpfung entstandenen typischen Säulenstrukturen entstehen, die hier in der Grube freigelegt sind. Interessant sind die Einschlüsse aus Fremdgestein in dem Basalt. Ein großer, weißer Fleck oben in der Wand, ist ein großer Block Kalkstein, der vom aufsteigenden Magma aus dem hier vorhandenen Gesteinsschichten mitgerissen wurde. Nach dem Ausbruch erfolgte vor 24 Millionen Jahren noch ein zweiter Ausbruch. Jetzt trat kein Material mehr aus, nur wurde erneut Basalt unterhalb des schon vorhandenen Materials geschoben.
Im Laufen der nachfolgenden Jahrmillionen ist die Vulkankuppe weitgehend abgetragen worden und sind die oberen Asche- und Schlackenschichten zum größten Teil verschwunden. Das härtere Vulkaninnere (Basalt) ragte über die Landschaft aus und hat die Menschen auf sich aufmerksam gemacht. Basaltgewinnung im großen Stil erfolgte ab dem 19. Jahrhundert. Als man tief im Vulkaninneren hervor gedrungen war, hat man den Tunnel gegraben, um das Abtransportieren (mit Pferd und Wagen) zu erleichtern.

Vom Arensberg nach Burg Kerpen
(km 9,5)
Wir verlassen den Vulkan und halten uns gleich bei der roten Infotafel links. Auf einem mit Lavaschlacken befestigten Pfad wandern wir, Abzweigungen ignorierend, immer bergabwärts (der Markierung des Wanderweges 22 folgend). Der Pfad stößt auf einen breiten Waldweg, dem wir weiter bergabwärts folgen.
(km 10,25)
Hier zweigt Wanderweg 22 nach rechts ab. Wir tun das Gleiche, verlassen den Wald und kommen jetzt in eine offene Wiesenlandschaft. Weiter voraus sehen wir die Loogher Mühle, auffällig mit dem Solardach. Da müssen wir hin, noch ein paar hundert Meter Asphalt, dann ein holpriger Feldweg. Hinter der Loogher Mühle führt ein Feldweg zwischen Waldrand und Feld nach oben. Um da zu geraten, wandern wir rechts am Zaun der Mühle vorbei, überqueren den Bach und machen uns auf für den Anstieg. Oben halten wir uns links und direkt sind wir in Loogh. In Loogh jetzt gut aufpassen: Auf der Hauptstraße (K74) gehen wir links und gleich wieder rechts in die Kapellenstraße. Wir wandern an der Kapelle vorbei und halten uns rechts bei Ferienwohnung Schröder „An der Lay“.
(Km 12,0)
Jetzt steigen wir wieder an. An der Gabelung nehmen wir den rechten Zweig (Markierung 22), der auf die Kuppe führt. An dieser Stelle Richtung Arensberg zurückschauend sieht man recht gut die Delle, wo einst der Gipfel dieses Vulkans war …. Der Anstieg ist kurz aber kräftig. Steil ist auch der Abstieg. Beim Absteigen wandern wir an Gabelungen und Kreuzungen immer bevorzugt bergabwärts und geradeaus. Markierung 22 ist hier hilfreich. Bei km 12,8 endet der Feldweg auf die Straße Loogh – Kerpen. Wir gehen nach rechts, bleiben auf der Straße und überqueren den Bach. In Kerpen halten wir uns rechts auf der Bahnhofstraße, gehen weiter geradeaus auf der Fritz-von-Wille-Straße, dann nach rechts (immer noch Fritz-von-Wille-Straße) und wandern dann geradewegs zur Burg. Nur noch die Treppe aufsteigen und wir sind am Parkplatz der Burg Kerpen.
(Km13,8) Ende der Tour

Burg Kerpen, die Geschichte.

Die Burgengeschichte in Kerpen fängt an mit einer alten Keltischen Fliehburg auf dem Weinberg. In diese Fliehburg wurde im Mittelalter ein Turm gebaut, mit einem Grundriss von acht mal 8 Metern. Die Überresten hiervon waren noch zu sehen, bis der Steinbruch am Weinberg alles verschlang. Bei Ausgrabungen sind Scherbenreste und Reste von Fenstergewänden gefunden. Hieraus schließt man, dass es sich um den Dauerwohnsitz eines Adeligen gehandelt hat: Die erste Kerpener Burg!
Resten einer zweiten Burganlage sind unweit von hier gefunden auf dem Hohen-Berg. Also von hier aus gesehen weiter oben auf dem Gipfel. Im 12. Jahrhundert wird die dritte Burganlage dann an dieser Stelle erbaut.
Diese Verlegung hatte mit der Wasserversorgung zu tun. Beliebte Waffen in diesen alten Zeiten waren Brandpfeile. Bei Belagerung der Burg musste ausreichend Löschwasser vorhanden sein, und selbstverständlich auch Wasser für die Versorgung von Menschen und Tieren. Oben auf dem Berggipfel wäre nur aufgefangenes und in unterirdischen Zisternen aufbewahrtes Regenwasser vorhanden. Einen Brunnen zu schlagen, bedeutete dass man bis 100 Meter oder tiefer in den Berg hacken musste. Hier an dieser Stelle war das Wasser des Ruderbachs problemlos erreichbar. Außerdem konnte man hier mit dem Burgbrunnen Wasser anzapfen auf nur 35 m Tiefe (Talebene).
Die weitere Geschichte dieser Burg ist eine von ununterbrochen Besitzstreitigkeiten, sie auf zu listen wäre zu viel. Im 16. Jahrhundert kam diese Burg im Besitz der Manderscheider. Wie an vielen Stellen in der Eifel, waren auch hier die Franzosen für die Zerstörung der ursprünglichen Anlage verantwortlich, und zwar in 1682. Gut 100 Jahre später besetzen französische Revolutionstruppen deutsches Gebiet zur linken Rheinseite. Das geschah in 1794, im Zuge der Französische Revolution. Die neue französische Verwaltung verkaufte die Ruine auf Abbruch an die Gemeinde. Statt abgebrochen wurde die Burg aber saniert und sie bekam eine neue Funktion.
1893 kaufte ein Industrieller, Johann Heinrich Dün, die Anlage. Er ließ sie von Schutt befreien, baute das heutige Wohnhaus und setzte dem Bergfried einen neuen Zinnenkranz auf. 1911 kaufte Eifelmaler Fritz von Wille die Burg und führte weitere Renovierungen durch. Er verstarb in 1941 und wurde hier auf dem Burggelände beigesetzt. Demag übernahm im selben Jahr die Burg und kreierte hier ein Schulungsheim. Von 1969 bis 2007 war Kreis Neuss der Besitzer, die Burg war jetzt Landschulheim. In 2007 ergriffen die Holländer Besitz von der Burg. Burg Kerpen ist jetzt eine touristische Attraktion. Sie hat ein Burgbistro, es werden Fremdenzimmer vermietet und in der Sommersaison wird auf dem Burggelände ein Erlebnisprogramm angeboten.

Mehr hierzu in der Webseite: www.castlekerpen.com

 

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